Beziehungsgewalt

Beziehungsgewalt (auch „Häusliche Gewalt“ genannt) spielt sich in nahen sozialen Beziehungen zwischen Erwachsenen, z.B. in einer Partnerschaft, ab. Beziehungsgewalt beinhaltet körperliche und psychische Gewalt. Dazu gehören z.B. treten, schlagen, stoßen oder einsperren und drohen, beleidigen und Kontrolle über eine Person auszuüben. Durch Verbote, Freunde zu treffen oder hinauszugehen, werden die Betroffenen häufig auch von ihrem sozialen Umfeld isoliert.

Oft zögern sie trotz großen Leidensdrucks, sich Hilfe zu holen aus Angst, dass die Gewalt dadurch schlimmer wird, oder aus Schuld- oder Schamgefühlen. Viele Betroffene haben auch Hoffnung auf ein Ende der Gewalt und bleiben aus diesem Grund in der Beziehung.

Häufig spielen auch finanzielle Abhängigkeiten oder gemeinsame Kinder eine Rolle bei der Entscheidung, den Partner/die Partnerin nicht zu verlassen. Erfahrungsgemäß nimmt die Gewalt in der Partnerschaft über die Zeit sowohl in dem Ausmaß der Brutalität als auch in der Häufigkeit zu.

Beziehungsgewalt ist kein eigener Straftatbestand, kann sich jedoch in vielen verschiedenen Straftaten wie Körperverletzungen oder Bedrohungen äußern. Auch sexualisierte Gewalt wie Vergewaltigungen oder Nötigung zu sexuellen Handlungen zählen dazu. In den meisten Fällen ist die Wohnung der Tatort, allerdings kann sich Beziehungsgewalt auch an allen anderen Orten abspielen wie auf der Straße, bei der Arbeitsstelle oder in Geschäften.

Es können sowohl Männer als auch Frauen betroffen sein, wobei die meisten Opfer weiblich sind.

Gewalt in Beziehungen kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben. Körperliche Folgen sind einerseits konkrete Verletzungen wie blaue Flecke, andererseits sind auch längerfristige körperliche Beschwerden möglich.

Natürlich ist das Erleben von Gewalt auch psychisch sehr belastend. Betroffene sind dauerhaftem Stress ausgesetzt. Dadurch, dass sie sich zuhause nicht mehr sicher fühlen können, kommt es zu einer dauernden Anspannung, Angst und Erschöpfung. Auch Gefühle von Einsamkeit und Hoffnungslosigkeit können Folgen sein. Viele entwickeln ein großes Schamempfinden, verlieren an Selbstwertgefühl und ziehen sich aus sozialen Kontakten zurück. Längerfristig können auch psychische Erkrankungen wie z.B. Depressionen oder posttraumatische Belastungsstörungen entstehen.

Manchen Betroffenen wird durch den gewalttätigen Partner/die gewalttätige Partnerin erschwert, einer Arbeit nachzugehen oder sie verlieren ihren Arbeitsplatz aufgrund häufiger Fehltage. Auch können durch eine Trennung finanzielle Probleme entstehen und Ängste ausgelöst werden, ob man alleine zurechtkommt. Als Zeugen der Gewalt können auch Kinder mitbetroffen sein oder selbst Opfer von Misshandlung werden. Kinder machen sich häufig große Sorgen um ihre Eltern und sind durch die Schwierigkeiten in der Familie belastet.

Unser Beratungsangebot: In unserer psychologischen Beratung können Sie an einem sicheren Ort – falls gewünscht auch anonym – über das Erlebte und die Folgen sprechen. Der erste Schritt, sich Unterstützung zu holen, ist meistens der schwerste. Wir unterstützen Sie dabei, Wege aus der Gewaltbeziehung oder andere Handlungsmöglichkeiten zu finden.
Auch wenn Sie sich unsicher sind, können Sie sich gern in unserer Telefonsprechstunde melden.

Für den Umgang mit Gewalterfahrungen können je nach Ausgangslage verschiedene Wege hilfreich sein.

Bei akuter Bedrohung:

  • Hilfe durch die Polizei: Wenden Sie sich per Notruf 110 an die Polizei. Diese hat die Möglichkeit, den Täter/die Täterin sofort für zehn Tage aus der gemeinsamen Wohnung wegzuweisen
  • Frauenhäuser: Wenn Sie akut Schutz bedürfen und einen sicheren Ort aufsuchen möchten, können Sie sich telefonisch an die Koordinierungs- und Servicestelle 24/7 der Hamburger Frauenhäuser wenden.: (040) 8000 4 1000

Weiterhin kann hilfreich sein:

  • Eine Notfalltasche packen, um ggf. schnell die Wohnung verlassen zu können (z.B. Pass, Geburtsurkunden, Krankenkassenkarte bzw. Kopien der Unterlagen, Kleidung und Hygieneartikel für einige Tage etc.) und diese z.B. bei einer Freundin hinterlegen
  • Zivilrechtliche Maßnahmen nach dem Gewaltschutzgesetz: Auf diesem Weg können Sie u.a. die Zuweisung der gemeinsam genutzten Wohnung und ein Kontakt- oder Näherungsverbot erreichen. Mehr Informationen hier
  • Soziale Unterstützung: Auch wenn Ihr Schamgefühl groß ist, kann es eine Entlastung sein, sich einer oder mehreren Personen aus dem sozialen Umfeld anzuvertrauen, um Unterstützung zu bekommen und eine Anlaufstelle zu haben, wenn Ihr Partner/Ihre Partnerin wieder gewalttätig wird.
  • Psychotherapie: Wenn Sie dauerhaft unter den psychischen Folgen leiden, kann eine Psychotherapie Ihnen möglicherweise helfen. Wir unterstützen Sie gerne durch Informationen zu Behandlungsmöglichkeiten.